Ana səhifə

Carl friedrich keil dr. Und prop. Der theol. Erster teil: die b


Yüklə 3.89 Mb.
səhifə1/72
tarix12.05.2016
ölçüsü3.89 Mb.
  1   2   3   4   5   6   7   8   9   ...   72
B
VON
IBLISCHER COMMENTAR . BIBLISCHER COMMENTAR

ÜBER ÜBER

DAS ALTE TESTAMENT. JJ JE BÜCHER M 08 E '5

HERAUSGEGEBEN

voN


Carl Friedr. Heil und Franz Delitzsch.

CARL FRIEDRICH KEIL



DR. UND PROP. DER THEOL.


ERSTER TEIL: DIE BÜCHER NIOSE'S.

ERSTER BAND :


GENESIS UND EXODUS.

ERSTER BAND: GENESIS UND EXODUS.




DRITTE, VE1IHEISER.TE AUFLAGE.

LEIPZIG,


DÖRFFLING C D FRANKE.
1875,

DRITTE, VE1tRESSERTE AI.'1'LAOE.

LEIPZIG,

DÖRFFLING UND FRANKE.


1878,

Ueberöetzuugsrecht vorbehalten.


VORWORT,

Auf dem AIten Testamente ruht das Neue Testament. Durch seinen eingeborenen Sohn hat Gott zu uns geredet, nachdem er vorher zu vielen Malen und auf vielerlei Weise durch die Propheten zu den Vätern geredet hatte. Auf dem Grunde der Propheten und der Apostel hat sich die Kirche Christi erbaut; denn Christus war nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Wie er zu den Juden gesprochen Joh. 5, 39: „Forschet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen; und sie ists die von mir zeuget", so hat er auch kurz vor seiner Himmelfahrt noch seinen Jüngern das Verständnis der Schrift eröffnet und, von Mose und den Propheten anhebend, in allen Schriften das von ihm Geredete ihnen ausgelegt Luc. 24, 27.44 f. In dem festen GIauben an die Warheit dieser Zeugnisse unsers Herrn haben die Väter und Lehrer der Kirche aller Jahrhunderte in den Schriften des Alten Testaments geforscht und die Gottesoffenbarungen des Alten Bundes in gelehrten und erbau­lichen Schriften erklärt und erläutert, um die Schätze der Weisheit und Erkentnis Gottes, welche dieselben enthalten, der christlichen Gemeinde zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit zu eröffnen und ans Herz zu legen. -- Erst durch den im lezten Viertel des vorigen Jahrhunderts zur Herschaft gekommenen Deismus; Naturalismus und Rationalismus ist der Glaube an die gött­liche Offenbarung des alten Bundes untergraben und der Christenheit diese Quelle gottgeoffenbarter Heilswarheit mehr und mehr verschüttet worden, so daß noch heut zu Tage die Geringschätzung der heiligen Schriften des Alten Testaments eben so groß und verbreitet ist als die Unkentnis ihres wahren Inhalts, obgleich in den jüngst verflossenen drei Decennien von Seiten der offenbarungsgläubigen Bibelforschung sehr Bedeutendes für die rechte Würdigung und das richtige Verständ­nis des Alten Testaments geleistet worden.



Keil, Pestateuch I. 3. Auff. a

VI Vorwort.

An diese Leistungen uns anschließend beabsichtigen wir in einem kurzgefaßten Commentare über das ganze Alte Testament den Inhalt der in demselben niedergelegten göttlichen Offenbarungs-Tatsachen und -Warheiten nicht nur grammatisch-historisch zu erläutern, sondern zu-gleich, wenn auch nur andeutungsweise, biblisch-theologisch zu ent­wickeln, und den Schriftforschern, besonders aber den Theologiestudi­renden und den Geistlichen unserer auf das feste prophetische und apostolische Wort sich gründenden Kirche ein exegetisches Handbuch zu bieten, aus welchem sie beim Lesen der heiligen Schrift Belehrung über das Verständnis der alttestamentlichen Heilsökonomie, so weit die kirchlich-theologische Wissenschaft dasselbe bis jezt erfaßt hat, und vielleicht auch Anregung zu weiterem Forschen und tieferem Ein-dringen in die unergründlichen Tiefen des Wortes Gottes schöpfen können.

Dazu wolle Gott der Herr Seinen Segen geben und das zur Förde­rung der Erkentnis Seines heiligen Wortes unternommene Werk mit Seiner Kraft und Seinem Geiste fördern!

Leipzig, am 17. August 1861.

C. Fr. Keil.

VORWORT

zur dritten Auflage.

Da die fortdauernde Nachfrage nach diesem Commentare mich mehr und mehr in der Ueberzeugung bestärkt, daß derselbe in der ihm ge­gebenen kurzen Fassung seinem Zwecke, Studirende, Candidaten und Geistliche in das Studium des A. Testaments einzuführen, eistspricht, so habe ich auch bei dieser dritten Auflage an dem Plane des Werkes und seiner Ausführung erhebliche Aenderungen vorzunehmen nicht für angezeigt erachtet, sondern glaubte mich darauf beschränken zu sollen, einerseits die neuesten exegetischeu Werke über die Genesis, wie die vierte gänzlich umgearb eitete Ausgabe des Commentars von Frz. Delitzsch (1872) und die neue Bearbeitung des Knobelschen Commentars von Aug. Dillntann (1875), ferner das sehr gediegene Lehrbuch der BibIi­schen Geschichte des A. Testaments von Aug. Köhler (erste Hälfte 1875)

Vorwort. VIL

und verschiedene kleinere Abhandlungen, z. B. Ed. TRiehm über den Begriff der Sühne im A. Test. (1876), nebst den neueren geographischen Forschungen über Palästina, den Sinai und die arabische Wüste von Osc. Fraas, Aus dem Orient. 1867 und E. H. Palmer, der Schauplatz der vierzigjährigen Wüstenwanderung Israels, Aus dem Engl. übersezt. 1876 u. a. mehr sorgfältig zu vergleichen, um die Auslegung in sprach­licher, geschichtlicher und theologischer Hinsicht zu revidiren und in einzelnen Punkten entweder zu modificiren und zu berichtigen oder besser zu begründen. Andererseits habe ich die fortschreitende Ent­wickelung sowol der geologischen und naturwissenschaftlichen Fragen über die Bildung .des Erdkörpers und den Urzustand des Menschen­geschlechts, als auch die sprachwissenschaftlichen und historisch-archäologischen Forschungen über das alte Aegypten, Assyrien und Babylonien und die übrigen Semitenländer aufmerksam verfolgt, um die biblische Erzählung von der Schöpfung und Sintflut, dom Paradiese und der urzeitlichen Entwicklung der Menschheit gegenüber den Ein-würfen der Geologen und Naturforscher und auch der Historiker, be­sonders der Aegyptologeu und Assyriologen, richtig aufzufassen und zu rechtfertigen, und habe demgemäß die hierauf bezüglichen Partien des Commentars neu durchgearbeitet und übersichtlicher zu gestalten ge­sucht. Denn obgleich alle diese Forschungen zur Zeit noch völlig im Flusse begriffen sind und bis jezt nicht blos über die primordiale Ge­staltung des Erdkörpors und die Entstehung und erste Entwickelung des Menschengeschlechts noch äußerst wenig probehaltige und für die Aufhellung der biblischen Ueberlieferung brauchbare Erkentnisso zu Tage gefördert haben, so haben doch sowol die Vertreter der Natur­wissenschaft als auch die Sprach- und Geschichtsforscher die biblische Urgeschichte nicht nur in den Kreis ihrer Betrachtung gezogen, son­dern dieselbe auch nach den jeweiligen Ergebnissen ihrer Forschung kritisirt. Gegenüber diesem Verfahren erschien es notwendig, die Frage über das Verhältnis der von diesen Forschern verbreiteten Lehren zu der schlichten Darstellung der biblischen Urgeschichte etwas ein-gehender zu behandeln und in kurzgefaßten Excursen (S. 29--15; 80-82; 120-122; 149-153) die Haupteinwürfe gegen die geschichtliche Auffassung der Schriftlehre zu beleuchten, um die Leser des Commen­tars in den Stand zu setzen, sich über die Beschaffenheit der durch den Naturalismus und Pantheismus in Umlauf gesezten und durch die mate­rialistische Richtung des Zeitgeistes zur Geltung gebrachten Ansicht, daß die geschichtliche Auffassung der biblischen Urkunde über Schöpfung,

b*

VIII Vorwort.



Paradies, Sintflut u. s. w. längst schon durch ,wissenschaftliche Forschung' widerlegt sei, ein selbständiges Urteil zu bilden, und ihnen zu zeigen, wie die Männer der Wissenschaft noch keine dieser Fragen endgültig gelöst haben, im Gegenteil bei tieferer und umfassenderer Forschung vielfach genötigt worden sind, Ansichten, die längere Zeit hindurch als ausgemachte Warheit gegolten, als nicht mehr haltbar aufzugeben. Eclatante Belege hiefür liefern die S. 32 f. angeführten Urteile der Geologen Pfag in der 2. Aufl. der Schöpfungsgeschichte vom J. 1877 über den Plutonismus, auf welchem fast alle neueren Schöpfungstheorien basirt sind, und Erna. Credner über die geologischen Schöpfungs- und Erdbildungsperioden, sowie das S. 152 mitgeteilte Geständnis von Bruysch, in der neuen Bearbeitung der Geschichte Aegyptens unter den Pharaonen, über die Unhaltbarkeit der auf Manetho's Dynastien begründeten Chronologie des alten ägyptischen Reiches. i

Durch die eingehendere Behandlung dieser und anderer Punkte mehr, sowie durch den etwas weniger compreß gehaltenen Druck ist der Umfang dieses Bandes um fast drei Bogen vergrößert worden. --Möge demselben auch in dieser neuen Bearbeitung eine wobvollende Aufnahme zuteil werden.

Leipzig, am 15. October 1878.

C. Fr. Keil

ALLGEMEINE EINLEITUNG


IN' DIE FÜNF BÜCHER MOSE'S.

§. 1. Das Alte Testament und seine Einteilung.


Die heiligen Schriften des Alten Testaments enthalten die gött­lichen Heilsoffenbarungen, welche die Erlösung der von Gott abgefalle­nen Menschheit durch Christum vorbereiten. Die göttliche Offenbarung begint mit der Schöpfung des Himmels und der Erde, in welcher der dreieinige Gott die Welt mit einer Fülle von Organismen und lebenden Wesen ins Dasein rief, die durch ihr Leben, Weben und Sein die Herrlichkeit ihres Schöpfers verkünden, und in dem nach Gottes Bilde geschaffenen Menschen zur Teilnahme an der Seligkeit des göttlichen Lebens erschaffen waren. Als aber das Menschengeschlecht in seinen Stammeltern der Versuchung des Bösen erlag, den von seinem Schöpfer ihm vorgezeichneten Lebenspfad verließ, der Sünde und dem Tode an-heimfiel, und in seinen Fall die ganze irdische Schöpfung hineingezogen wurde: begann die göttliche Barmherzigkeit das schon vor Grund­legung der Welt im Rathe der dreieinigen Liebe beschlossene Werk der Wiederherstellung der gefallenen Creatur, der Erlösung der sün­digen Menschheit vom Tode und Verderben, so daß Gott von Anfang an nicht nur seine ewige Kraft und Gottheit in den Werken der Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt kundgetan, sondern auch durch seinen Geist den Menschen allezeit seinen heiligen Ruth und Willen zu ihrer Seligkeit geoffenbaret hat. Diese Bezeugung des per­sönlichen Gottes an und in der Welt gestaltete sich infolge des Sünden-falls zu einer über die allgemeine göttliche Vorsehung und Weltregie­rung hinübergreifenden Heilsoffenbarung, welche die Naturordnung mit höheren Kräften geistigen Lebens erfülte, um das durch die Sünde in die Menschennatur und vom Menschen aus in die gesamte Naturwelt eingedrungene Böse zu überwinden, die Welt zu einem Reiche Gottes, in welchem der heilige Gotteswille alle Entwicklung der Creaturen ho-herseht, zu gestalten und die Menschheit durch Verklärung der Gottes­bildlichkeit ihrer Natur zur Gottähnlichkeit zu verherrlichen. Diese

X
F

1
Das Alte Testament und seine Einteilung.
göttlichen Gnadenoffenbarungen, durch welche die Weltgeschichte - wie 0. Zoeckler in s. Theologia naturalis (1860) Bd. 1 S. 297 treffend bemerkt -- ,eine von unablässigem erziehendem und richterlichem Ein-greifen des lebendigen Gottes durchwaltete und getragene Entwicklung der Menschheit zum Reiche Gottes hin` wird, gipfeln in der Mensch­werdung Gottes in Christo, um die Welt mit sich zu versöhnen.

Durch diese Tat der unergründlichen göttlichen Liebe wird die ge­samte Weltentwicklung in zwei Perioden geteilt: die Zeiten der An­bahnung und Vorbereitung des Heils und die Zeiten der Verwirklichung und Vollendung des von Anfang an vorbereiteten Heiles. Die Zeiten der Vorbereitung des Heils reichen von dem Sündenfalle Adams bis auf Christum und culminiren in der Oekonomie des AIten Bundes. Die Zeiten der Verwirklichung des Heils beginnen mit der Erscheinung des Sohnes Gottes auf Erden in Knechtsgestalt und dauern bis zu seiner Wiederkunft in Herrlichkeit, um das Reich der Gnade in das Reich der Herrlichkeit zu verwandeln durch das Weltgericht und die Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde aus den Elementen der im Feuer des Gerichts verbrennenden alten Welt dieses jetzigen Himmels und dieser jetzigen Erde (2 Petr. 3, 10-13), syomit die Entwicklung des Weltalls vollendet und die Zeit in die Ewigkeit aufgehoben werden wird (1 Car. 15, 23-28. Apokal. 20 u. 21).

Ueberblicken wir die Offenbarungen des A. Bundes, wie sie in den heiligen Schriften des A. Test. urkundlich uns überliefert sind, so können wir drei Stadien der fortschreitenden Heilsentfaltung unterscheiden: die Zeit der Anbahnung des alttestl. Gottesreiches, die Zeit seiner Gründung durch das Mittleramt Mose's und die Zeit seiner Entwicklung und Fortbildung durch die Propheten. In allen drei Zeiträumen hat Gott sich und sein Heil dem menschlichen Geschlechte in Taten und Worten geoffenbart. Wie das Evangelium des N. Bundes nicht bios in den von Christo und den Aposteln gelehrten Glaubenswarheiten und sittlichen Geboten besteht, sondern die Tatsache der Menschwerdung Gottes in Christo Jesu und das von dem Gottmenschen durch Tun und Leiden, Tod und Auferstehung vollbrachte Werk der. Erlösueg den Kern und Stern der christlichen Religion ausmachen: so bestehen auch die göttlichen Offenbarungen des A. Bundes nicht bios in den durch Mose und durch die Patriarchen vor ihm und die Propheten nach ihm veröffentlichten Belehrungen über das wahre Wesen Gottes und sein Verhältnis zur Welt und über die göttliche Bestimmung der Menschen, sondern vielmehr in den geschichtlichen Tatsachen, durch welche der persönliche Gott in seiner unendlichen Liebe sich in Gericht und Ge rechtigkeit, in Gnade und Barmherzigkeit d'en Menschen zu erkennen gegeben hat, um sie zu sieh, dem Urquell des Lebens, zurückzuführen. Hienach sind alle Taten Gottes in der Geschichte, durch welche dem Ueberhaudnehmen der Gottlosigkeit gesteuert und die Gottesfurcht und Sittlichkeit gefördert wurde, also nicht nur die Gerichte Gottes, welche über die Erde und ihre Bewohner ergingen, sondern auch die von Gott ausgegangenen Berufungen von Männern zu, Trägern seines Heils und

Das Alte Testament und seine Einteilung.


ihre wunderbaren Führungen für eben so wesentliche Bestandteile der Religion des A. Test. zu halten als die Wortoffenbarungen, in welchen Gott seinen Willen und Heilsrath durch Gebote und Verheißungen den Frommen kundgetan, und zwar auch nicht bios vermöge höherer oder übernatürlicher innerer Erleuchtung, sondern hauptsächlich mittelst tbernatürlicher Träume, Visionen und in die äußere Simneswarnehmung fallender Theophanien in Lauten und Worten menschlicher Sprache und Rede kundgetan hat. Die geoffenbarte Religion ist nicht bios auf geschichtlichem Wege durch besondere göttliche Fügung in die Welt eingeführt worden, sondern auch ihrem Inhalte nach wesentlich Ge­schichte von göttlichen Taten zur Gründung des Reiches Gottes auf Erden d. b. zur Herstellung eines realen persönlichen Verhältnisses der Gemeinschaft zwischen dem die Welt mit seiner Allgegenwart erfüllen-den Gotte und dem nach seinem Bilde geschaffenen Menschen, wodurch Gott mit seinem Geiste die Menschheit erneuert und heiligt und zur Herrlichkeit des Lebens in seiner göttlichen Lebensfülle verklärt.

Die Gründung dieses Reiches in seiner alttestl. Erscheinungsform wurde durch die Berufung Abrahams und seine Erwählung zum Stamm­vater des Volks, mit welchem Gott der Herr •seinen Gnadenbund zur Beseligung aller Geschlechter der Erde aufrichten weite, angebahnt. Mit dem Auszuge Abrahams aus seinem Vaterlande und Vaterhause, uni dein göttlichen Rufe zu folgen, hebt das erste Stadium der Heilsge­schichte an, das bis zur Entwicklung der dem Erzvater verheißenen und gegebenen Nachkommenschaft zu dem Volke der zwölf Stämme Israels in Aegypten sich erstrekt. Die göttlichen Offenbarungen in diesem Zeitraume bestehen in Verheißungen, welche den Grund für die ganze zukünftige Entwicklung des Gottesreiches auf Erden legen, und in der diesen Verheißungen entsprechenden besonderen Führung, in der Gott sich den Patriarchen Israels als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs tatsächlich bezeugt hat.

Das zweite Stadium begint mit der Berufung Mose's und der Er Lösung Israels aus der Knechtschaft Aegyptens und umfaßt die Grün­dung des alttestl. Gottesreiches durch den Bund, welchen Gott mit dem durch gewaltige Taten seiner Allmacht aus Aegypten erlösten Volke Israel am Sinai schloß, und durch die das Bundesverhältnis normirende Reichsverfassung, welche Gott dem zu seinem Eigentume erwählten Volke in dem Mosaiscben Gesetze gab. In dieser Reichsverfassung, welche die Haushaltung Gottes im A. Bunde constituirt, sind die ewigen Warheiten und. Wesenheiten des wahren geistigen Gottesreiches in irdische Formen und volkstümliche Institutionen eingekleidet und der­gestalt verkörpert worden, daß die sinnlichen Formen und Einrich­tungen geistige Warheiten abschatteten, und die Keime zur Vergeisti­gung und Verklärung in das vollendete Gottesreich, da Gott sein wird Alles in Allem, in sich bargen. Vermöge der Bestimmung dieses Reiches, die volle Offenbarung Gottes in seinem Reiche nur vorzubereiten und vorzubilden, tragen zwar seine Institutionen und Ordnungen überwie­gend den Charakter einer Gesetzesanstalt, um durch Erzeugung tiefer

X
r



q
H Das AIte Testament und seine Einteilung.
und wahrer Erkentuis sowol der menschlichen Sündhaftigkeit als der göttlichen Heiligkeit ein lebendiges Bedürfnis nach Erlösung von Sünde und Tod und nach der Seligkeit des Lebens im Frieden Gottes zu wecken. Aber die Gesetze und Ordnungen desselben legten doch dem Volke nicht blos die Forderung, sein ganzes Leben Gott dem Herrn zu heiligen, ans Herz, sondern öffneten ihm auch den Weg zur Heiligung und den Zugang zur göttlichen Gnade, aus welcher Kräfte zum Wandel in der Gerechtigkeit vor Gott fließen, durch die Gründung eines Heilig­tums, welches der Herr Himmels und der Erde mit seiner Gnadengegen­wart erfülte, und eines Opferaltares, zu dem Israel hinzutreten konte, um im Opferblute Sühnung seiner Sünde zu empfahen und der Gnaden­gemeinschaft seines Gottes sich zu erfreuen.

Das drille Stadium der alttestl. Heilsbereitungy umfaßt die Zeiten der Erhaltung und Entwicklung des am Sinai gegründeten Gottesreiches vom Tode des Gesetzgebers Mose an bis zum Erlöschen der Prophetie nach dem babylonischen Exile. Während dieses langen Zeitraumes offenbarte sich Gott als Bundesgott und König seines Reiches auf außer-ordentliche Weise nur einerseits in dem besonderen Schutze, den er seinem Volke, so lange es ihm anhing oder wenn es in Zeiten des Ab-falls sich wieder zu ihm wandte und seine Hilfe suchte, im Kampfe mit den Weltmächten durch Erweckung streitbarer Helden und durch wun­derbare Taten seiner Allmacht angedeihen ließ, andrerseits in der Sendung von Propheten, die mit der Kraft seines Geistes ausgerüstet sein Gesetz und Zeugnis dem Volke vorhielten, dem abtrünnigen Ge­schlechte das Gericht verkündigten und den Frommen das messianische Heil weißagten, und wo nötig ihre göttliche Sendung durch Wunder be­stätigten. In den ersten Jahrhunderten nach Moso walten die Taten Gottes vor, um sein Reich in Canaan festzugründen und den umliegen' den Reichen gegenüber zu Macht und Ansehen zu erheben, Als aber nach Entfaltung seiner größten irdischen Macht und Herrlichkeit unter dem Königtume Davids und Salomo's mit dem Abfalle der zehn Stämme vom Hause Davids der Abfall des Volkes vom Herrn sich mehrte und der Gottesstaat endlich seiner Auflösung mit immer rascheren Schritten. entgegenging, da mehrte Gott die Sendung Reiner. Propheten, um durch das Wort der Weißagung der vollen Offenbarung soines Heils in der Gründung eines neuen Bundes den Weg zu bereiten.

So gehen in der Oekonomie des A. Bundes die Taten Gottes Hand in Hand mit seinen Offenbarungen im Worte der Verheißung, des Ge­setzes und der Weißagung, nicht nur als wegbalnende Mittel zur Ein­führung des im Gesetz und in der Prophetie verkündigten Heils in die. Welt, sondern als wesentliche Factoren des göttlichen Heilswerkes der Erlösung und Beseligung der Menschheit, als Tatsachen, welche die ganze Weltentwicklung bedingen und bestimmen und das Ziel der Welt­vollendung in ihrem Schoße tragen, indem das Gesetz als erutda1'e '



Eis Xecaaöv' Israel für die Aufnahme des Heilandes erzieht und die Prophetie seine Erscheinung mit wachsender Klarheit und Bestimthoit ankündigt, ja schon die ersten Stralen der Morgenröthe des kommenden

Das Alte Testament und seine Einteilung. XII1


Tages des Heils, an welchem die Sonne der Gerechtigkeit mit Heil unter ihren Flügeln den Völkern aufgehen werde, in die dunklen Todes-schatten der gottentfremdeten Welt hineinleuchten läßt.

Wie demnach die Offenbarung des A. Bundes in drei Stadien fort-schreitender Heilsentwicklung verläuft, so sind auch die Urkunden dieser Offenbarung, die heiligen Schriften des A. Testaments, in drei Klassen von Schriften in h -,m Gesetz, irIHrS Propheten und



ä/cöyeaepa (heil.) Schriften eingeteilt. Allein obgleich mit dieser Drei­teilung des alttestl. Schriftkanons nicht blos drei Stufen der Heilig­schätzung,sondern auch drei Grade der göttlichen Eingebung dieser Bücher bezeichnet sind, so entsprechen doch die drei Teile des A. Test. nicht den drei geschichtlichen Entwicklungsstufen des A. Bundes. Die Offenbarungstatsachen begründen nur die Unterscheidung von Gesetz und Propheten. In diesen beiden Teilen des A. T. ist der gesamte oh­jective Tatbestand der alttestl. Offenbarung niedergelegt und darin so verteilt, daß die Thora, wie die fünf Bücher Mose's im Grundtexte heißen, die Grundlage des A. Bundes oder die das alttestl. Gottesreich begründende Offenbarung Gottes in Taten und Worten, samt den die Gründung desselben vorbereitenden Heilsoffenbarungen der Urzeit und der Vorzeit Israels enthält, die Propheten aber die die Erhaltung und Fortentwicklung des israelitischen Gottesstaates vom Tode Mose's an bis zu seiner Auflösung fördernden Offenbarungen in sich fassen, der­gestalt daß in derersten Abteilung der Propheten, in den sogen. vor-deren Propheten, n iii l n'rl~ s prophetae priores d. i. den propheti­schen Geschichtsbüchern (Josua, der Richter, Samuelis und der Könige) die in der geschichtlichen Führung Israels durch Richter, Könige, Hohepriester und Propheten sich vollziehende Offenbarung, und in der zweiten Abteilung, den späteren Propheten, tw eiere% prophetae posteriores d. i. den Weiß agungsbüchern des Jesaja, Jeremia, Ezechiel und der 12 kleinen Propheten, das in den Zeiten des allmählichen Ver­falles des alttestl. Gottesstaates den göttlichen Taten zur Seite gehende, fortschreitende Zeugnis von dem göttlichen Rathe niedergelegt ist. Jene Geschichtsbücher sind im hebr. Kanon zu den Propheten gezählt worden, nicht blos aus dem Grunde, weil sie das Wirken der Propheten in Israel mit erzählen, sondern, vielmehr deshalb, weil sie den Ent­wicklungsgang des israelitischen Gottesreiches im Lichte prophetischer Anschauung darstellen, in der geschichtlichen Entwicklung des Volkes-und Reiches den Entwicklungsgang der göttlichen Offenbarung auf-zeigen. Ihnen sind die erst gegen hundert Jahre nach dor Spaltung des Reichs anhebenden Weißagungsschriften der späteren Propheten beigeordnet als die ,Reichsurkunden, durch welche der himmlische König verbürgt, daß die Niederlage seines Volkes und Reiches in der Welt nicht ohne seinen Willen, sondern ausdrücklich demselben ge­mäß geschehe, daß er aber Volk und Reich darum nicht aufgegeben habe, sondern dereinst, wenn die inneren Bedingungen dafür vorhanden seien, in neuer, höherer Kraft und Herrlichkeit wiederherstellen werde' (Auberlen, Jahrbb. f. deutsche Theol. I1I S. 782).

X
r,


IV Benennung, Inhalt und PIan der Bücher Mose's.
Alle übrigen heiligen Schriften des A. Bundes sind im dritten Teile des alttestl. Kanons zusammengestelt unter der Benennung v%ln'e ypa­yüeta, später äycöypa pa genant, weil sie gleichfalls unter dem Einflusse des heil. Geistes verfaßt sind. Von den prophetischen Geschichts- und Weißagungsbüchern unterscheiden sich die Ilagiogratrhen durch über-wiegend subjective Auffassung und individuelle Darstellung der gött­lichen Offenbarungs-Tatsachen und -Zeugnisse, worin alle Schriften dieser Klasse bei aller übrigen Verschiedenheit in Form und' Inhalt einander gleichen. Dazu gehören a) die poetischen Schriften: Psalmen, Hiob, Sprüche, Hoheslied, Prediger und die Klagelieder Jeremia's, als Zeugnisse von den geistigen Früchten, welche die Offenbarungsreligion des A. Bundes im Glauben, Denken und Leben der Frommen gezeitigt hat; b) das Buch des am chaldäischen und persischen Hofe lebenden und wirkenden Propheten Daniel mit seinem reichen Inhalte an gott­gewirkten prophetischen Träumen und Visionen über die.Zukunft des Reiches Gottes; c) die historischen Bücher: Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Esther, in welchen die Lebensführung der Vorfahren Davids, die Geschichte der Regierung Davids und seiner Dynastie mit vorwiegender Berücksichtigung der Stellung der Könige zum loritischen Tempolcultus und die Schicksale des bei der Zerstörung des Reiches Jude, erhaltenen Restes des alten Bundesvolks im Exilö bis zu seiner Rükkehr aus Babel und seiner neuen Anpflanzung in Jerusalem und Juda beschrieben sind. Das Nähere über Bildung, Anordnung und Geschichte des alttestl. Schriftkanons s. in meinem Lehrb. der hist. krit. Einleitung in d. A. Test. S. 494 ff. der 3. Aufl. vom J. 1873.

§. 2. Benennung, Inhalt und Plan der Bücher Mose's.

Die fünf Bücher Mose's, s't Heuer irrvZog sc. E3iß2og, Pentateuchus sc. Tiber, das fünfteilige Buch, führen im A. Test. die Namen 7hU min-2 das Gesetzbuch (Deut. 31, 26. Jos. 1, 8 u. ö.) oder kurzweg Minn vöaog, das Gesetz (Neh. 8, 2. 7. 13 f. u. ö.), welche den Inhalt dieses Schriftwerks und seine Bedeutung füF die Oekonoipie des A. Bun­des ausdrücken. Das Wort Min, ein nomn hiph. von Min denaonstrare, docere, bedeutet Unterweisung, Belehrung. Die Thora ist das Buch der Unterweisung, welche Jahve dem Volke Israel dureh Mose gegeben hat, daher auch reg 1 r:tiin (2 Chr. 17, 9. 34, 14. Neh. 9, 3) und rtie Mim (Jos. 8, 31. 2 Kg. 14, 6. Neh. 8, 1) oder he mnti das Buch Mose's (2 Chr. 25, 4. 35, 12. Esr. 6, 18. Neh, 13, 1) genant. Ihr Inhalt ist göttliche Offenbarung in Tatsachen und Worten, und zwar die grundlegende. Offenbarung, durch welche Jahve Israel zu seinem Volke erkoren und ihm seine Lebensordnung (vo'uos), seine theokratische Volks- und Reichsverfassung gegeben hat.

Dieses fünfteilige Werk bildet nach Anlage und Ausführung ein einheitliches, planmäßig geordnetes und in sich abgerundetes Ganzes, das mit der Weltschöpfung begint und mit dem-Tode Mose's, des Mitt­lers des A. Bundes, schließt. Mit der Schöpfung des Himmels und der

Ursprung und Zeitalter der Bücher Mose's. XV
Erde wird- der Grund und Boden für die göttliche Offenbarung bereitet. Die von Gott geschaffene Welt ist der Schauplatz der zwischen Gott und den Menschen sich begebenden Geschichte des Heils, die Stätte für das Reich Gottes in seiner irdisch-zeitlichen Entwicklung. Alles was im ersten Buche aus der Urzeit des Menschengeschlechts und der Vor-zeit Israels berichtet ist, steht in directer fernerer oder näherer Be­ziehung zu dem Gottesreiche, dessen Gründung in den übrigen Büchern beschrieben wird, dergestalt daß im zweiten die Aufrichtung dieses Reiches am Sinai erzählt, im dritten die geistliche und im vierten die staatliche Ordnung desselben durch Tatsachen und Gesetzesvorschriften festgestelt, endlich im fünften dieses ganze Werk Gottes in parlineti­scher, Geschichte und Gesetzgebung zusammenfassender Weise dem Volke wiederholt ans Herz gelegt wird, um die rechte Bundestreue zu wecken und den dauernden Bestand desselben zu erzielen. Hiemit war die Oeconomie dos A. Bundes aufgerichtet und die Offenbarung des Ge­setzes schließt mit dem Hingange des Gesetzesmittlers.

Die Teilung des Werkes in fünf Bücher ergab sich aus dem hier vorläufig nur in seinen allgemeinsten Umrissen augedeuteten Inhalte und Plane eben so einfach als natürlich, indem die drei mittleren Bücher die Geschichte der Gründung des alttestl. Gottesreiches ent­halten, das erste die Vorgeschichte dazu liefert und das fünfte seine Befestigung bezwekt, Diese Fünfteilung ist also nicht erst ein Werk einer späteren Redaction, sondern von vornherein in der ganzen An­lage der Thora begründet und für ursprünglich zu halten. Denn auch die drei mittleren Bücher, welche in continuirlichem Zusammenhange von der Errichtung der Theokratie handeln, sind doch dadurch in drei Bücher geschieden, daß das mittelste, oder dritte des ganzen Werkes, sowol durch seinen Inhalt, als auch durch seinen Eingang 1, 1 und durch seine Schlußformel 27, 34 von den beiden übrigen abge­sondert ist.

§. 3. Ursprung und Zeitalter der Bücher Mose's.

Das fünfteilige Gesetzbuch Mose's nimt nicht blas durch die grund­legende Bedeutung und normative Geltung seines Inhalts die erste Stelle im Kanon des A. Test. ein, sondern ist auch seinem Ursprunge nach die älteste Schrift dieses Kanons und die Grundlage der gesamten alttestl. Literatur, indem alle nachmosaische Geschichtschreibung, Prophetie und Poesie Israels auf die Thora Mose's als ihren Urquell und ihr Vorbild zurückweist und das Vorhandensein nicht nur des Gesetzes, sondern auch eines Gesetzbuches von dem Inhalte und der

1) Die von Ewald aufgebrachte Meinung, daß das Buch Josua als sechster Teil zmn Pentateuche gehöre und dieses Werk von seinem lezten Verfasser oder Ordner darauf angelegt sei, eine einheitliche Schrift, die mit der Schöpfung der Welt beginne und mit der Einnahme Canaans duu•eh die Israeliten schließe, zu bilden, beruht auf totaler Verkennung des Inhaltes und Zweckes der Thora.

  1   2   3   4   5   6   7   8   9   ...   72


Verilənlər bazası müəlliflik hüququ ilə müdafiə olunur ©anasahife.org 2016
rəhbərliyinə müraciət